Reise blog von Travellerspoint

Von Riga nach Tallinn

Liebe Leser,

nachdem wir am Freitag die wunderschöne Hauptstadt Lettlands, Riga, ausgiebig besichtigt haben, ging es für uns am Samstag weiter in den Norden des Landes. Ziel war zunächst der Gauja-Nationalpark, der größte von allen in den drei baltischen Ländern.
Das Besondere war jedoch, dass wir diesen nicht zu Fuß erkundeten, sondern mit dem Kajak. Wir ruderten insgesamt 20km auf dem Fluss Gauja durch die unberührte Natur und genossen dabei die warmen Temperaturen. Wir fuhren durch hügelige, grün bewaldete Landschaft, hörten nur das Plätschern des Wassers, wenn unsere Ruder die Wasseroberfläche durchbrachen und beobachteten die blau schimmernden Schmetterlinge. Sogar an einigen Grotten kamen wir vorbei, die in Steilhängen zum Fluss hinunter gut sichtbar waren, weshalb der Nationalpark auch die Lettische Schweiz genannt wird.
Doch leider schwirrten nicht nur Schmetterlinge und Libellen um uns herum, sondern auch zahlreiche Mücken und Bremsen, die unsere Körper mit juckenden Stichen versahen. Da ich eher von kälteren Temperaturen ausgegangen war, hatte ich natürlich nicht an meine Anti-Moskito-Ausrüstung gedacht, die ich stets in den Tropen mit mir führe.
Wir paddelten zu dem kleinen Städtchen Sigulda, dessen Burg wir uns nach unserer Kajak-Tour noch anschauten. Sie liegt direkt gegenüber einer weiteren Burg, die auf der anderen Seite des Flusses auf einem Hügel thront. Die Burg Turaida ist aufgrund ihrer Imposanz und ihrer leuchtend roten Farbe der ganze Stolz der Letten und die Berühmteste im ganzen Land. Außerdem sind mit ihr und mit den zahlreichen Höhlen und Grotten in der Umgebung viele Legenden verbunden.
Wir spazierten ein wenig durch die Ruinen der gegenüberliegenden Burg Sigulda, die aus dem 13. Jh. des alten Schwertbrüder-Ordens stammt.
Am späten Abend passierten wir letztendlich noch die Grenze zu Estland auf einer einsamen Landstraße und platzten noch mitten in eine estnische Hochzeit, die im Gasthof unseres Hotels mitten im Wald stattfand.
Gestern verschafften wir uns zunächst einmal einen ersten Eindruck vom dritten und kleinsten Land des Baltikums – Estland. Schon bei unserer Anreise stellten wir fest, dass dieses Land nur sehr gering besiedelt sein muss, denn man fährt stets durch die Einsamkeit. Und tatsächlich hat Estland eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. Man bewegt sich hier auf Landstraßen durch das Land, die sich durch dichte Wälder schlängeln, wo man hin und wieder vor Elchen gewarnt wird. Manchmal geben die Bäume einen kurzen Blick frei auf Felder, wo hier ganz typisch immer Strohballen verteilt herum liegen und die zahlreichen Störche herumstaksen.
Den ersten Halt legten wir am Soomaa-Nationalpark ein, wo man angeblich Bieber und Elche sichten kann. Ein langer Holzsteg führte uns über einen sumpfigen Boden in einen dschungelartigen Wald hinein. Völlige Ruhe und wunderschöne Natur umgab uns und tatsächlich – wir hörten einen Bieber in einem der Teiche an einem Baum nagen. Zu Gesicht bekamen wir jedoch weder einen Bieber, noch einen Elch, obwohl wir uns extra leise auf dem Steg fortbewegten, dafür aber wieder umso mehr Mücken. Dieses Mal war ich schlauer, und hatte mir trotz der Hitze eine lange Hose angezogen. Trotzdem wurden wir sogar durch die T-Shirts erbarmungslos gestochen. Erste Anlaufstelle war anschließend deshalb die Apotheke in der Küstenstadt Pärnu, wo wir uns erst einmal ordentlich eindeckten, auch aufgrund meiner Allergie.
Pärnu ist der beliebteste Ferienort der Esten und Finnen, weshalb an diesem Sonntag der Strand auch voll war. Wir spazierten ein wenig durch die Innenstadt, vorbei an historischen Gebäuden, Kurhotels und Grünanlagen. Ich konnte mich in der Altstadt kaum sattsehen an den entzückenden kleinen Häuschen, die für das Baltikum so typisch, aber in jedem Land doch ein bisschen anders sind. Die Holzhäuschen reihen sich aneinander und ein Denkmal erinnert an den Ausruf der estnischen Republik 1918. Wir passierten das Tallinner Tor, was einmal der Eingang zur Stadt war, spazierten am Wallgraben entlang und besichtigten letztendlich noch eine Jugendstilvilla von außen.
Am Abend verließen wir die gemütliche Kurstadt und fuhren mit der Fähre auf zwei der westlichen Inseln Estlands, die mit einer Brücke miteinander verbunden sind. Es handelt sich hierbei um die kleine Insel Muhu und um Saaremaa, wo wir nächtigten.
Den heutigen Tag verbrachten wir damit, die Inseln mit dem Auto zu erkunden und machten eine Inselrundfahrt. Wieder stellte ich fest, wie sehr ich dieses Insel-Feeling mag. Man hat ständig die Meeresluft in der Nase, viele Orte bieten einen Blick auf die offene Ostsee und das Leben ist entschleunigt. Am Morgen schlenderten wir durch die Hauptstadt der Insel, Kuressaare, dessen zentraler Platz von klassizistischen Gebäuden gesäumt ist. Außerdem besichtigten wir die spätgotische Bischofsburg, dessen Festung mit seinen mächtigen Türmen über der Kurstadt thront.
Unser Roadtrip über die Insel führte uns zunächst zu idyllischen Blumenwiesen mit angrenzendem Bauernhof in der Einöde, wo wir eigentlich einen Naturpfad entlang wandern wollten. Da jedoch kein Wanderpfad in Sicht war, spazierten wir nur ein wenig und genossen die Landschaft.
Nach einem kurzen Halt am Strand gelangen wir zur Steilküste von Panga. Das Kliff stürzt hier 20m tief in die Ostsee und bietet einen traumhaften Ausblick. Wir steuerten die für die estnischen westlichen Inseln berühmten Windmühlen in Angola an, die wir auch von Innen besichtigen konnten und die an einem gelb blühenden Rapsfeld gelegen waren. Sie sind das Wahrzeichen der Insel, stammen aus dem 20. Jh. und werden von einem starken Pfosten zu getragen, was man so ähnlich nur in Skandinavien findet.
Mindestens genauso bekannt ist das Meteoritenfeld in Kaali, dem wir anschließend einen Besuch abstatteten. Hier bestaunten wir einen 110m breiten Meteoritenkrater, der vor 4000 Jahren entstanden und nun ein See ist. Nach einer abenteuerlichen Besichtigung der Ruinen der Ordensburg in Maasi, wo man sich in dem unterirdischen Gewölbe allein umsehen kann, fuhren wir letztlich mit der Fähre wieder zurück aufs estnische Festland und haben es sogar noch in die Hauptstadt Tallinn geschafft, die wir morgen besichtigen werden.
Kurz gefasst, mein erster Eindruck von Estland ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht nur die Sprache klingt skandinavisch, auch die einsamen Wälder, wo Elche zu Hause sind, die roten Holzhäuser, die fast schon wie Schwedenhäuser aussehen, die Inseln, die Windmühlen und die Akkuratesse in den Städtchen zeugen von einer nordischen Note. Den Einfluss der ehemaligen Sowjetunion spüren wir hier von allen drei Ländern am wenigsten.
Ich bin schon jetzt begeistert und bin gespannt, was dieses interessante Land die nächsten Tage für uns noch bereithält.

Eure Franzi

Lettland - Gauja Nationalpark + Sigulda
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Estland - Soomaa Nationalpark
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Pärnu
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Inselrundfahrt
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Eingestellt von franzijacob 13:38 Archiviert in Estland

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