Reise blog von Travellerspoint

Lettland - Das Land der Flüsse, Seen und Moore

Liebe Leser,

Wälder, saftig grün bewachsene Flüsse, glitzernde Seen und Blumenwiesen – dies prägt das Landschaftsbild von Lettland, zu welchem wir nach der Grenzüberfahrt von Litauen in Genuss kamen. Berichtete ich in Litauen noch von weiten Getreidefeldern bis zum Horizont, so ist es hier überraschenderweise doch so anders.
Lettland ist das Land der Gewässer und der Moore und Sümpfe.
Unser erster Anlaufpunkt am Mittwoch war die Stadt Liepaja im Südwesten des Landes. Die Stadt liegt direkt an der offenen Ostseeküste und hat ebenfalls einen schönen Strand zu bieten mit angrenzendem Park und einer Strandpromenade, wo wir ein wenig entlang spazierten. In der Innenstadt sammelt hin und wieder eine historische Straßenbahn Passanten ein und von der Ostsee schlängelt sich ein Fluss durch die Stadt, wo auch ein Kanalhafen zu finden ist.
Anschließend machten wir noch den russischen Stadtteil Karosta ausfindig. Sind die meisten Städte im Baltikum doch sehr gepflegt, so macht man in Karosta eine kleine Zeitreise in Sowjetzeiten. Wir ruckelten holprige Straßen entlang und fuhren an freudlosen Wohnblocks vorbei, die verlassen und heruntergekommen aussehen. Jedoch entdeckt man hin und wieder auf den kleinen Balkons aufgehängte Wäsche. Auch diese Stadtbilder prägen – zumindest meist außerhalb der Städte – hier das Bild und zeugen nun einmal von der Geschichte, die alle drei Länder durchlaufen haben.
Inmitten dieses schmuddeligen Wohnviertels ragt eine imposante Kirche empor. Es handelt sich hier um die orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale, kaum zu verfehlen mit den typischen fünf vergoldeten Zwiebeltürmchen. Doch scheint sie von außen noch so prunkvoll, so ist sie innen, wie alle orthodoxen Kirchen spärlich. Es gibt keine Bankreihen, wie wir sie von evangelischen oder katholischen Kirchen kennen. Der Innenraum ist lediglich mit Ikonenbildern geschmückt und die Gläubigen zünden mit Kopftüchern Kerzen an.
Auch ein ehemaliges sowjetisches Gefängnis ist in Karosta zu finden, was an die dunklen Zeiten erinnert. Wir verzichteten jedoch auf eine Besichtigung, wo man selbst in die Rolle eines Gefangenen schlüpfen kann, und erhaschten nur einen Blick auf die freudlose Fassade.
Unser Roadtrip führte uns nun weiter vorbei an der Steilküste zur Ostsee in Jurkalne und letztendlich in das kleine Städtchen Kuldiga. Kuldiga ist wohl das malerischste Städtchen des ganzen Landes und lässt sich am besten mit den Begriffen „süß“ und „echt“ bezeichnen. Das Alexflüsschen schlängelt sich idyllisch durch verwinkelte, alte Holzhäuschen und verpasst dem Städtchen ein ganz eigenes, typisch lettisches Flair. Aus diesem Grund wird es auch häufig als Venedig Lettlands bezeichnet. Das Besondere an dieser Stadt sind jedoch die Häuschen an sich. Wirklich jedes einzelne Haus scheint hier eine eigene Geschichte zu erzählen, da die bunte Farbe bereits meist vom Holz abblättert. Aus weit geöffneten Fenstern dringt die für uns so fremde lettische Sprache hinaus auf die gepflasterten Fußgängerzonen. Jedoch befindet sich manchmal sogar ein Schmuck- oder Kleidergeschäft darin.
Ein paar Gehminuten am Fluss entlang aus der Stadt hinaus und wir befanden uns auf einer saftig grünen hochgewachsenen Wiese, inmitten das Alexflüsschen mit einem kleinen, aber sehr breiten Wasserfall, wo die Einheimischen sich zum Feierabend ein Bad genehmigten oder darauf herum balancierten.
Nach diesem ersten Eindruck von diesem idyllischen Land, widmeten wir uns am Donnerstag noch etwas mehr der Natur und steuerten gleich zwei Nationalparks an. Vormittags war der Nationalpark Slitere unser Ziel. Ausgangspunkt einer kleinen Wanderung ist hier ein Leuchtturm, der jedoch 5km von der Ostsee steht. Oben hatten wir jedoch einen super Ausblick auf den gesamten dicht bewaldeten Nationalpark bis hin zur Ostsee. Die Wanderung führte uns auf Bohlenwegen inmitten durch den dschungelartigen Wald mit einer einzigartigen und vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Hin und wieder schimmerten Sonnenstrahlen durch das lichte Blätterdach hinab auf die grünen Farne oder auf Moosbewachsene Baumstämme. Biber, Dachse oder Luchse, die dort zu Hause sind, sahen wir jedoch leider nicht, lediglich Kröten.
Auf dem Weg zum zweiten Nationalpark machten wir einen kleinen Zwischenstopp an der Landesspitze Kap Kolka. An diesem Punkt trifft die Ostsee auf das Wasser der Rigaer Bucht und somit finden gefährliche Strömungen statt, die man sogar auf der Wasseroberfläche beobachten kann.
Der Kemeri Nationalpark entpuppte sich als ganz anders als der in Slitere, aber doch als wunderschön. Wieder über Holzstege läuft man hier über Moore und Sümpfe und kann dabei Libellen und besondere Pflanzen entdecken. Hin und wieder ragt ein dünner Baum aus dem sumpfigen Boden hervor und man entdeckt kleine dunkle Seen inmitten der Moore. An einem anderen Punkt des Nationalparks genossen wir sogar die Aussicht auf einen sehr großen See, der an einigen Stellen mit Schilf bewachsen ist und wo besondere Vogelarten ihre Kreise ziehen.
Nach diesem beeindruckenden Naturerlebnis bei besten Wetterbedingungen sollte der heutige Tag der Hauptstadt Lettlands oder gar des Baltikums gelten – Riga. Wir machten uns recht früh auf den Weg und liefen über eine Brücke über den Fluss Daugava, der die Stadt eingrenzt. Und schon standen wir in einer wunderschönen, mittelalterlichen Altstadt. Wir spazierten durch zahlreiche kleine Gässchen, die meistens auf einen der vielen Plätze führen, wo sich Touristen und Einheimische in Cafes niedergelassen haben. Die Stadt lässt sich aus diesem Grund auch gut als verwinkelt beschreiben, ruft jedoch auch ein Gefühl von Gemütlichkeit hervor. Einen besonders guten Ausblick hatten wir vom Turm der St. Petrikirche, wovon die verwinkelten Sträßchen und die schönen alten Gebäude nochmal deutlicher ins Auge sprangen.
Ein kleiner Nebenarm des Flusses inmitten von einer Grünanlage mit Liebe zum Detail grenzt die Altstadt von der Neustadt ab. In dieser findet man zahlreiche Gebäude im Jugendstil, wofür Riga bekannt ist. Ein fantastisch verziertes Haus reiht sich hier an das nächste. An den verspielten Elementen der Häuserfassaden kann man sich kaum satt sehen und ich war ganz begeistert von den zahlreichen Fotoobjekten.
Nachdem wir Riga ausführlich erkundet hatten, fuhren wir zu dem etwas außerhalb gelegenen Schloss in Jelgava. Lettland ist nämlich nicht nur für Gewässer bekannt, sondern auch für Schlösser und Gutshäuser, die man hier zahlreich findet. Leider kann man das Schloss nur von außen besichtigen.
Abends ließen wir uns noch die lettische Küche schmecken, die sich doch sehr von der litauischen unterscheidet. Während Litauen für Kartoffelprodukte, wie gefüllte Klöße oder Kartoffelpuffer bekannt ist, prägt in Lettland das Schweinefleisch in zahlreichen Variationen die Speisekarte. So findet man meist Schaschlik- Spieße, Schnitzel oder zu meiner großen Freude auch Spare Ribs mit Sauerkraut.
Begeistert von der einzigartigen Natur in Lettland, den kleinen lettischen Städtchen mit charmanten traditionellen Häuschen und der wunderschönen Hauptstadt Riga werden wir uns morgen auf den Weg in das letzte der drei baltischen Länder begeben – nach Estland. Wir haben nun den gesamten Westen Lettlands bereist und werden morgen noch einem weiteren Nationalpark einen Besuch abstatten, bevor es dann über die Grenze geht. Wir hoffen auch weiterhin das Glück der warmen Sommertemperaturen und des strahlend blauen Himmels zu haben, was hier keinesfalls selbstverständlich ist.
Zugegeben Estland reizt mich aufgrund der nordischen Note am meisten, doch meine Erwartungen wurden jetzt schon bei Weitem übertroffen.

Eure Franzi

Jurkalne
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Kap Kolka
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Kuldiga
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Slitere Nationalpark
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Kemeri Nationalpark
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Riga
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Schloss Jelgava
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Eingestellt von franzijacob 11:59 Archiviert in Lettland

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