Reise blog von Travellerspoint

Start des Roadtrips in Litauen

Liebe Leser,

nun sind wir schon drei Tage in Litauen unterwegs, haben schon viel gesehen und einen ersten Eindruck von diesem kleinen Land gewonnen.
Vorweg möchte ich sagen, dass ich positiv überrascht von den schönen Landschaften und den Städten mit den kleinen traditionellen Häusern bin. Alles ist sehr sauber und gepflegt und selbst wenn einzelne Häuser doch etwas alt sind, haben sie einen ganz besonderen balkanischen Charme.
Schon auf der sechsstündigen Autofahrt von Warschau in die Stadt Kaunas begeisterten mich die unendlich weiten Getreidefelder, die sich bis zum Horizont erstrecken. Es gibt kaum Hügel, geschweige denn Berge und so scheint alles noch weiter. Die Landschaft wirkt beinahe unberührt, doch hin und wieder fährt man an einigen kleinen Häuschen vorbei, die hier traditionell aus bunten Holzpaneelen bestehen und meist mit einem blumigen Garten sehr urig wirken. Tatsächlich sehen hier die meisten Häuser so aus. Selbst in Großstädten reihen sich besonders in der Altstadt zweistöckige kleine bunte Häuschen aneinander, wie auch in Kaunas, unser erstes Ziel in Litauen.
Neben der Hauptstadt Vilnius ist Kaunas die bedeutendste Stadt im Land, denn auch sie war einmal die provisorische Hauptstadt, als Vilnius von Polen besetzt wurde. Kaunas lockt zunächst mit einer malerischen Altstadt, der wir zuerst einen Besuch abstatteten. Besonders reizen hier die versteckten kleinen Gässchen und die Fußgängerzone mit schattigen Linden, die durch schöne Häuser mit blumigen kleinen Balkonen führt.
Wir liefen an zahlreichen Restaurants und Cafes vorbei und ließen uns letztendlich in einem am Rathausplatz nieder, um etwas zu essen. Die traditionelle Speise ist hier mit Fleisch gefüllte Klöße, serviert mit Sour Creme.
Doch den schönsten Blick über die gesamte Stadt hat man wohl auf den Aleksontas- Hügeln, wo sogar eine kleine Bergbahn hinauffährt. Nach 90 Sekunden Fahrt hatten wir einen super Blick über Kaunas und die sich hindurchschlängelnden Flüsse Neris und Nemunas. Auch eine kleine Burg, inklusive Burggraben, hat die Stadt zu bieten, die einst mal eine massive Befestigungsanlage war.
Gestern früh setzten wir unseren Roadtrip fort zum sogenannten Berg der Kreuze nahe der Stadt Silauliai. Der Besuch hinterließ definitiv einen tiefen Eindruck, denn man sieht hier ein weltweit einzigartiges Meer von Kreuzen, angeordnet auf einem Hügel. Circa 200.000 Kreuze in allen möglichen Formen und Variationen reihen sich dicht an dicht aneinander. Einige sind geschnitzte Kunstwerke, manche sind aus Metall und manche werden auf dem Boden vor größeren Kreuzen aufeinandergestapelt. Auch Gedenkkreuze mit Blumen und Fotos verziert und litauischen Nachrichten findet man unter ihnen. Hin und wieder hört man metallische Klänge im Wind, wenn Rosenkränze gegen Kreuze schwingen. Der Berg der Kreuze ist nicht nur ein berühmter Wallfahrtsort, sondern auch ein Symbol der Freiheit und für die mit dem katholischen Glauben eng verbundene litauische Identität. Als die ehemaligen Sowjets die Kreuze einst plattgewalzt haben, baute das litauische Volk alles wieder auf leistete somit Widerstand und kämpfte für die Freiheit.
Anschließend fuhren wir weiter in den Westen des Landes in die Hafenstadt Klaipeda. Auch hier schlenderten wir etwas durch die Altstadt, durch die der Fluss Memel fließt und an den Hafen grenzt.
Der Grund, warum wir jedoch diese Stadt ansteuerten, ist die Landzunge „Kurische Nehrung“, die wir heute erkundeten. Die Landzunge ragt von Kaliningrad (kleiner Teil Russlands zwischen Polen und Litauen) bis fast nach Litauen und grenzt die Ostsee vom Kurischen Haff ab, der 4 Mal so groß wie der Bodensee ist. Während der untere Teil der Landzunge zu Russland gehört, ist der obere litauisch bis zum Grenzort Nida. Die gesamte Landzunge ist ein Nationalpark, besteht ausschließlich aus Sand und gilt als eine der einzigartigsten und faszinierendsten Landschaften Europas. Auch ich kann dies nach dem heutigen Tag dort absolut bestätigen. Nachdem wir mit der Fähre übergesetzt hatten, führte uns eine Straße durch lichte Wälder, wo unter anderem Elche und Wildschweine leben. Die Bäume wachsen hier alle auf Sand. Angekommen in gemütlichen Ort Nida, wo zahlreiche Litauer ihren Urlaub verbringen, trieb es uns zunächst an die Ostseeküste. Ein Holzweg führte uns durch den Kiefernwald hinaus, über eine Sanddüne und plötzlich hatten wir schon einen wunderschönen Blick über die Ostsee. Das Wetter war heute definitiv auf unserer Seite. Ein strahlend blauer Himmel, angenehme 20 Grad, die wärmende Sonne und die leichte Meeresbriese zauberten uns ein Grinsen ins Gesicht.
Dies war heute mein erster Besuch an der Ostsee und ich muss zugeben, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Die Ostsee habe ich immer mit einem grauen, regnerischen, kalten und windigen Ort verbunden, das Meerwasser dreckig, kalt und voller Quallen. Aber der heutige Tag überzeugte mich vom Gegenteil. Wir machten einen Strandspaziergang durch weichen, feinen Sand und beobachteten sogar den ein oder anderen, der sich mutig in die frischen Wellen stürzte.
Herrlich – ich hatte das Meer tatsächlich vermisst!
Anschließend hatten wir nach 10 Minuten die Landzunge einmal durchquert und spazierten noch ein wenig über die hohen Dünen (teilweise 60 m hoch). Oben hatten wir sogar einen Blick auf das Kurische Haff auf der einen Seite, auf der anderen Seite auf die Ostsee und die Landzunge entlang bis nach Russland. Wir bummelten noch ein wenig am Kurischen Haff entlang und obwohl es eine Verbindung zur Ostsee gibt, wirkt das Kurische Haff tatsächlich eher wie ein See. Man sieht in der Ferne das Festland Litauens und Enten schwimmen durch Schilf hindurch und strecken ihren Po in die Luft.
Doch das sollte nicht der einzige Ostsee-Besuch in Litauen bleiben. Wieder mit der Fähre auf dem Festland angekommen, fuhren wir etwa 30 Minuten weiter zum Ferienort Palanga, der bekannt ist für den 8km langen, schönen Sandstrand. Unser Hotel liegt direkt hinter einer Düne und wir machten heute Abend lange Strandspaziergänge und beobachteten, wie langsam die Ebbe kam und die Sonne rot hinter der Ostsee verschwand, während Möwen ihre Kreise zogen.
Besonders der heutige Tag war einfach traumhaft und hat mir einmal mehr gezeigt, wie viele schöne Flecken unsere Welt zu bieten hat und, dass man dafür nicht immer ans andere Ende der Welt fliegen muss.
Morgen werden wir weiter nach Lettland reisen und Litauen zunächst einmal hinter uns lassen, jedoch am Rückweg unseres Trips noch die Hauptstadt Vilnius anschauen.

Eure Franzi

Kaunas
IMG_20200712_200315.jpgIMG_20200712_180150.jpgIMG_20200712_172457.jpgIMG_20200712_175304.jpga7388980-c613-11ea-a108-cbbb1379656d.jpg6e1a5840-c613-11ea-a108-cbbb1379656d.jpgIMG_20200712_193528.jpgIMG_20200713_102347.jpg

Berg der Kreuze
IMG_20200713_115533.jpgIMG_20200713_115559.jpgIMG_20200713_115754.jpg

Auf der Kurischen Nehrung
IMG_20200714_151147.jpgIMG_20200714_130713.jpgIMG_20200714_125032.jpgIMG_20200714_112040.jpgIMG_20200714_111512.jpg5.jpeg4.jpeg3.jpeg

Palanga
IMG_20200714_183021.jpg2.jpeg404ab740-c616-11ea-9640-1125ce7a6d0b.jpeg

Eingestellt von franzijacob 13:46 Archiviert in Litauen

Versende diesen EintragFacebookStumbleUpon

Inhalt

Schreibe als Erster einen Kommentar dazu.

Sie müssen angemeldet Mitglied der Travellerspoint um Kommentare diesem Blog.

Login