Reise blog von Travellerspoint

Die Hauptstadt Litauens und Reisefeedback

Liebe Leser,

am Freitag traten wir bereits den Rückweg von der estnischen Universitätsstadt Tartu an, machten einen kurzen Zwischenstopp in der lettischen Stadt Daugavpils, um etwas zu essen und gelangen letztendlich in die litauische Hauptstadt Vilnius.
Während dieser Fahrt im Osten der drei Länder wurde der Unterschied zwischen Ost und West im Baltikum uns nochmals deutlich vor Augen geführt. Die Leute sprechen hier meist überwiegend russisch und die jüngere Bevölkerung lernt lettisch bzw. estnisch erst in der Schule. Auch in den Städten ist im Gegensteil zu denen im Westen der sowjetische Einfluss deutlich zu sehen durch die typischen Wohnviertel im Plattenbau.
In Tartu spazierten wir ein wenig durch die Stadt, machten die verschiedenen Universitätsgebäude ausfindig und schlenderten durch den angrenzenden Park und am Fluss entlang.
In Daugavpils selbst gibt es tatsächlich rein gar nichts zu sehen, jedoch aus einem bestimmten Grund. Die gesamte Altstadt wurde nämlich zerstört, um ein riesige Zarenfestung im 19. Jh. zu errichten, die sogar selbst so groß ist, wie eine kleine Stadt. Aus diesem Grund war dies doch interessant, einmal kurz mit dem Auto hindurchzufahren.
Den Samstag verbrachten wir damit, Vilnius genau zu erkunden, denn wir hatten uns diese Stadt extra für den Rückweg aufgehoben und sahen dies als einen Abschluss unserer Reise. Die Hauptstadt Litauens liegt direkt in einer bewaldeten Hügellandschaft, wodurch sich der Fluss Neris schlängelt. Hier trifft Ost und West aufeinander, denn es sind nur 30km zur weißrussischen Grenze und so findet man sowohl zahlreiche katholische Kirchen und Klöster in der Stadt, als auch die Zwiebeltürme der orthodoxen Kirchen. An diesem sonnigen Samstag begegneten wir bestimmt acht Hochzeitsgesellschaften, die in einen der vielen Parks mit Sekt auf das Brautpaar anstießen.
Unser erster Anlaufpunkt war am Vormittag der zentrale Kathedralenplatz. Hier schlägt das Herz von Vilnius, hier kreuzen sich alle Fäden und hier begann auch die Menschenkette von 1989 bis nach Tallinn zum Zeichen der Unabhängigkeit. Neben der Kathedrale mit einer beeindruckenden Säulenhalle findet man außerdem den Großfürstenpalast und den Glockenturm, dessen Teile aus verschiedenen Epochen nach und nach zusammengesetzt wurden. Diesen Turm bestiegen wir über knarrende Holztreppen, genossen oben die Aussicht über Vilnius und erschraken uns, als die Glocke die nächste Viertelstunde ankündigte.
Bevor wir jedoch die weitere Altstadt erkundeten, führte uns der Weg zunächst in das Neue Zentrum, vorbei an zahlreichen Cafés in den verkehrsruhigen Zonen, die von hohen klassizistischen Gebäuden gesäumt werden. Wir gelangen zum Museum der Besetzung und Freiheitskämpfe und tauchten hier einmal mehr in die Gräueltaten der Sowjetzeiten ein. Hier besichtigten wir ein erhaltenes sowjetisches Gefängnis, das jedoch mehr einem Folterkeller glich und hier wurden Menschen nur für ihr Andersdenken bestraft, gefoltert, getötet oder nach Sibirien deportiert.
Das Museum regte uns definitiv zum Nachdenken an und beschäftigte uns noch den gesamten Weg zurück Richtung Altstadt. Wir bestiegen den Gediminas-Hügel, wo Reste einer Burg und das Wahrzeichen der Stadt, der Gediminas-Turm zu besichtigen sind.
Anschließend spazierten wir ein wenig durch die Straßen der Altstadt, passierten das Stadttor und bewunderten sowohl Gebäude in gotischer und barocker Architektur, als auch den Stil der Renaissance und des Klassizismus.
Vilnius ist definitiv eine wunderschöne Stadt und zog mich genauso wie Riga und Tallinn in ihren Bann, jede Stadt auf ihre eigene Weise.
Vor unserer endgültigen Abreise aus dem Baltikum stand jedoch noch eine wichtige Sehenswürdigkeit auf unserem Plan, die Inselburg von Trakai. Sie prägt das Titelbild meines Reiseführers und gilt als die meist fotografierte Burg ganz Osteuropas. Das Besondere ist, dass die gotische Burg aus rotem Ziegelstein auf einer Insel liegt, von vier Seen eingeschlossen ist und nur über eine Brücke zu erreichen ist. Der litauische Fürst Vytautas belagerte im 14. Jh. mit den Ordensrittern Trakai und heute kann man dort verschiedene Säle und den Innenhof besichtigen, sowohl zahlreiche Überbleibsel, wie Geschirr, Schmuck, Pfeifen etc. aus dem Mittelalter. Ich finde es immer beeindruckend zu überlegen, wie viele Personen aus welchen Zeiten wohl schon von diesen Tellern gegessen haben oder wie lange wohl die Münzen im Wald vergraben waren, bis sie jemand gefunden hat.
Trakai war auf dieser Reise tatsächlich der einzige Ort, wo während unseres Aufenthalts die Touristenmassen hinströmten, was aufgrund Corona natürlich nicht so optimal war. Aber wer möchte schon nicht diese Märchenburg inmitten dieser wunderschönen Landschaft sehen?

Abschließend kann ich zu dieser zweiwöchigen Reise durch das Baltikum sagen, dass meine Erwartungen weit übertroffen wurden. Alle drei Länder haben mich durch ihren jeweils ganz eigenen Charme in ihren Bann gezogen. Welches Land mir am besten gefallen hat? Das kann ich absolut nicht sagen, denn in jedem Land hatten wir besonders schöne Erlebnisse – da war zum Beispiel die Kurische Nehrung in Litauen, eine Landzunge nur aus Sand mit der wunderschönen Ostseeküste, die idyllische Landschaft mit ihren Gewässern und Mooren in Lettland mit den süßen, kleinen Städtchen aus bunten Holzhäusern oder die einsamen Wälder in Estland mit dem nordischen Touch. Dazu kommen die Tage in den jeweiligen Hauptstädten, die mir alle sehr gut gefallen haben, einen Besuch wert waren und deren Altstädte es mir angetan haben.
Wir haben rund 4000km zurückgelegt, 3 Länder mit 2 estnischen Inseln bereist, haben in 12 verschiedenen Hotels genächtigt, waren in 6 Nationalparks, haben die Natur auf Wanderungen oder per Kajak in Wäldern oder Mooren genossen, haben die Wellen der rauen Ostsee betrachtet, waren der Geschichte in den Städten oder auf Burgen und Schlössern auf der Spur und haben die verschiedenen Nationalgerichte probiert. Wir haben die letzten zwei Wochen nur gelebt und alles aus dem Baltikum mitgenommen, was irgend möglich war.
Diese Reise hat mir außerdem wiederum gezeigt, dass man seine Vorurteile gegenüber irgendwelchen Ländern vergessen sollte, sondern hinfahren und sich sein eigenes Bild machen sollte. So ist meine Neugierde über Ost- und Nordeuropa gewachsen und ich bin bereit, noch weitere Länder von diesem Teil der Welt zu erkunden. Dies war sicherlich nicht meine exotischste Reise, aber dennoch bereichernd, beeindruckend und einfach wunderschön.

Es hat mich gefreut, dass ihr uns auf diese Weise auf unserer Baltikum-Reise begleitet habt!
Bis zur nächsten Reise, eure Franzi

Es folgt nun ein detailliertes Reisefeedback:

WAS HAT MIR GUT GEFALLEN?

DIE REISE PER AUTO
Das war das erste Mal, dass wir längere Zeit mit dem Auto gereist sind und wir haben festgestellt, dass es natürlich viel entspannter war, als mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Man spart eine Menge Zeit, da man sich nicht jeden Tag darum kümmern muss, wie man von A nach B kommt. Außerdem ist man natürlich viel flexibler, weil man losfahren kann, wann es einem passt oder da kurz anhalten kann, wo es schön ist.
Möchte man auf eine Insel, z.B. in Estland? Kein Problem mit der Fähre! Hat man sich nicht ausgerechnet das Wochenende ausgesucht, ist mit kurzen Wartezeiten und günstigen Preisen zu rechnen.

DIE PREISE
Für europäische Verhältnisse sind alle drei Länder recht günstig, vor allem was das Benzin und das Essen angeht. Auch zentrale 3 oder 4 Sterne Hotels mit Frühstück und Parkplatz waren meist ohne Probleme für circa 50 Euro für ein Doppelzimmer zu finden. Vermutlich aber auch dank Corona…
Von allen drei Ländern war Estland das Teuerste, aber trotzdem im Durchschnitt günstig.
Wer es ganz genau wissen möchte und vielleicht selbst einmal eine Baltikum-Reise antreten möchte: Wir haben pro Person 800 Euro für alles zusammen ausgegeben (15 Tage, 1 Mal am Tag Essen gegangen, Mittelklassehotels mit Frühstück und Parkplatz, knapp 4000km gefahren).

VORTEILE DER EU
Auf dieser Reise haben wir alle Vorteile der EU eindeutig ausgenutzt, so bezahlt man überall praktischerweise mit Euro. Das heißt, das ewige Umrechnen, verschiedene Währungen usw. bleiben erspart. Außerdem finden natürlich keine Grenzkontrollen statt, was wiederum Zeit und Nerven spart.

DIE NATUR
Die Zahl der existierenden Nationalparks im Baltikum zeigt schon, dass die Natur hier etwas ganz Besonderes ist. Es gibt wunderschöne Ostseestrände, besonders in Litauen, oder Steilküsten. Lettland begeisterte mich durch die vielen Gewässer, wie Flüsse und Seen, die das Land durchziehen oder Moorlandschaften. Der sumpfige Boden sorgt außerdem dafür, dass das Land sehr fruchtbar ist und somit die Pflanzen saftig grün vor sich hin wuchern. Häufig kommt man an weiten Blumenwiesen vorbei oder an dicht bewachsenen Flussufern.
Für Estland sind die einsamen Wälder typisch, die alle Märchenwäldern gleichen. Bis auf einem kleinen Wanderpfad scheint die Natur hier unberührt und man kann die frische Luft und die völlige Ruhe in ganzen Zügen genießen.

ABWECHSLUNG
Im Baltikum wird man sich sicherlich nie langweilen, denn für jedermann ist etwas dabei. Naturliebhaber können mit dem Fahrrad, per Kajak oder zu Fuß die Nationalparks erkunden. Familien können an der Ostsee entspannen oder Geschichtsinteressierte werden in den zahlreichen Burgen, in den Altstädten oder Museen der Hauptstädte fündig. Ist man an anderen Kulturen interessiert, kann man einer orthodoxen Kirche einen Besuch abstatten, in Trakai die Speisen der Karäer probieren oder die Häuser der altgläubigen Russen am Peipus-See betrachten. Ich persönlich mag den Mix aus allem sehr gerne und gestalte die Tage gerne sehr unterschiedlich, was hier ohne Probleme gut machbar ist.

WENIGE TOURISTEN
Wir wissen nicht, ob es an Corona lag oder ob es hier immer recht ruhig zugeht und wenige Touristen anzutreffen sind. Einen wesentlichen Teil trug sicherlich die noch geschlossene russische Grenze bei, dass die Spots eher leer waren. Hauptsächlich machen die Esten, Litauer und Letten selbst gerne im Baltikum Urlaub, aber auch die Polen, Russen und Finnen.
Bis auf Trakai waren nie irgendwelche Anlaufstellen überfüllt und wir konnten die Länder in Ruhe bereisen. Trotzdem war alles sehr gut auf Touristen eingestellt. Fast alle Leute sprechen englisch, Kamil musste nur bei der älteren Generation und im Osten auf Russisch zurückgreifen. Es gibt gut markierte Wandertouren in den Nationalparks und die Touristeninformationen in fast allen Städten helfen mit Stadtkarten oder Erkundungstouren aus.
Das Baltikum ist außerdem sehr bekannt für Camping. Zahlreiche Familien oder Pärchen sind hier mit Wohnmobilen anzutreffen, da die Campingplätze meines Wissens nach sogar meist kostenlos sind.

HOTELS
Beinahe in jeder Stadt, und war sie noch so abgelegen, haben wir ein ordentliches Hotel oder zumindest einen Gasthof gefunden. Uns sind immer ein bequemes Bett, ein sauberes Bad und ein sättigendes Frühstück wichtig, was wir überall günstig ohne Probleme gefunden haben.

PARKPLÄTZE
Jeder kennt es – man dreht Runde um Runde in überfüllten Städten und findet doch keinen Parkplatz. Manchmal denkt man, da wäre einer frei, doch dann ein enttäuschtes Seufzen, wenn ein Smart die vermeintliche Lücke zuparkt.
Hier jedoch alles kein Problem und ganz entspannt! Wir haben wirklich immer günstig oder kostenlos zentral einen Parkplatz gefunden und bei den Hotels haben wir stets darauf geachtet, dass einer kostenlos dabei war.
Das einzige Problem stellte Tallinn dar, wo die Hotels meist sehr viel Geld für einen Parkplatz verlangen. Hier haben wir dann etwas außerhalb geparkt, wenig bezahlt und sind zum Hotel in die Altstadt gelaufen.

DAS ESSEN IN LITAUEN UND LETTLAND
Für alle Fleischliebhaber ist die baltische Küche genau richtig. Besonders in Lettland gibt es so einige Köstlichkeiten vom Grill, meist mit Kartoffeln und Sauerkraut serviert. Auch Fisch isst man besonders gerne in Estland. Für Litauen sind Kartoffelprodukte in allen möglichen Variationen typisch, vor allem mit Hackfleisch gefüllte Klöße mit Sour Creme serviert, Kartoffelpuffer oder gefüllte, gebackene Teigtaschen.

WAS HAT MIR NICHT GEFALLEN?

DAS ESSEN IN ESTLAND
Findet man sowohl in Litauen als auch in Lettland jeweils landestypische Speisen in den Restaurants, wird man in Estland enttäuscht sein. Hier isst man meistens Fisch oder Schweinebraten, jedoch sehr überteuert für eine kleine Portion.

DIE STRASSEN
So etwas wie deutsche Autobahnen ist im Baltikum leider Fehlanzeige. Wenn man Glück hat, gibt es sogenannte Expressbahnen, die dann zweispurig sind und wo man 110kmh fahren darf. Sonst heißt es Landstraße fahren, wo hin und wieder mit gefährlichen Überholmanövern zu rechnen ist oder sich die Straße abrupt in eine Hubbelpiste verwandelt. Das ein oder andere Mal hat uns unser Navi sogar über eine Schrottpiste gelotst und so haben wir beispielsweise auch die estnische Grenze passiert.

KALTES MEER
So schön die Ostsee auch war, sie ist nun mal arschkalt. Aus diesem Grund waren wir leider auch kein einziges Mal schwimmen, sondern immer nur kurz mal mit den Beinen drin. Obwohl wir sonniges, warmes Sommerwetter hatten und sich ein paar Leute tatsächlich in die Wellen gestürzt haben, haben wir darauf verzichtet und nur kurz am Strand entspannt.

WECHSELHAFTES WETTER
Im Baltikum darf man eben nicht vergessen, dass man sich im Norden Europas befindet, wo man auch im Sommer mit kälteren Temperaturen oder Regen rechnen muss und daher den Koffer für jedes Wetter packen sollte. Ich empfehle Zwiebelschichten!
Trotzdem hatten wir unglaubliches Glück, denn meist strahlte die Sonne vom Himmel, wir hatten fast 30 Grad und kaum Regen. Insgesamt hatten wir zwei Tage schlechteres Wetter. Für Leute, die heiße Temperaturen sowieso nicht so gut leiden können, ist das Baltikum nur empfehlenswert.

FEHLENDE EXOTIK
Tatsache ist, dass man dieses Jahr Fernreisen wohl vergessen kann, deshalb war das Baltikum eine gute Alternative. Trotzdem hat uns eindeutig die Exotik gefehlt, denn Kulturschocks gehören für mich unbedingt zum Reisen dazu. Ich liebe es, für uns so fremde Lebensweisen und Religionen kennenzulernen, exotischen Pflanzen oder Tieren zu begegnen oder über Naturphänomene zu staunen. Dies ist in Europa natürlich nur begrenzt möglich.

On the Road
35a912c0-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg30ad9750-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg

Vilnius
384a98a0-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg381e7f90-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg3788cf40-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg3684f3d0-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg36734090-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg3624f980-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg34ea2f90-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg33b224c0-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg31779e10-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg310f3f50-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg2f29dd80-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg2e91bc30-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg

Sowjet-Gefängnis
325aab10-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg31539b50-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg

Litauische Speisen
37ef3230-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg

Trakai
306b5e30-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg2827e3b0-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg292be630-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg3810eb00-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg38a40340-d02d-11ea-8989-e1c2de479044.jpeg3885cce0-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg38d12dc0-d02d-11ea-aa70-634fd3b5e198.jpeg38e07000-d02d-11ea-be69-bfefc2098018.jpeg

Eingestellt von franzijacob 10:16 Kommentare (0)

Vom Norden in den Osten Estlands

Liebe Leser,

Tallinn – die Hauptstadt Estlands ganz im Norden des Landes an der Ostsee ist sicherlich eine der Städte auf der Welt, die mich bis jetzt am meisten positiv überrascht hat. Fährt man meist in Estland durch einsame Wälder und wunderschöne Natur, erwartet man kaum eine solche Metropole, in der man die verschiedenen Einflüsse auf das Land, aber auch den baltischen Charme deutlich spürt.
Um die vielen unterschiedlichen Stadtviertel zu erkunden, fingen wir früh morgens direkt mit der mittelalterlichen Altstadt an, in welcher praktischerweise auch unser Hotel gelegen war, und wir nur 200m durch eine der Gassen zum Rathausplatz laufen konnten.
Wir schauten uns zunächst auf dem Rathausplatz um, entdeckten die zweitälteste Apotheke Europas, die heute noch Arznei verkauft, die Heiliggeistkirche und das Rathaus selbst im spätgotischen Stil. Wir beobachteten Kellner, die bereits die Restaurants oder Cafes öffneten, andere Touristen, die ebenfalls vor dem Rathaus Fotos machten oder Passanten, die geschäftig über dem Platz liefen.
Doch auch diese Stadt, wie alle anderen auf dieser Reise, war vermutlich dank Corona recht leer und ermöglichte uns ein entspanntes Besichtigen an diesem Tag.
So bummelten wir durch die zahlreichen verwinkelten Gässchen der Altstadt über das Kopfsteinpflaster, entdeckten urige Cafes in versteckten Innenhöfen und bewunderten die schönen, alten Gebäude. Tatsächlich konnte ich mich an den kleinen Gässchen kaum satt fotografieren und war immer wieder aufs Neue begeistert von der Ruhe und der Gemütlichkeit, die die Altstadt ausstrahlte. Oft entdeckten wir auch die Inschriften deutscher Namen an gotischen Handelshäusern als Überbleibsel aus der Hansezeit.
Der Weg führte uns letztendlich an der Stadtmauer entlang, die wir sogar mit zwei Befestigungstürmen besteigen konnten und somit eine schöne Aussicht auf die Stadt hatten.
Zur Altstadt gehört außerdem auch der Domberg, auf dem jedoch zum Leidwesen der Esten eine riesige orthodoxe Kirche thront. Sie galt zur Zeit der Erbauung als Symbol der Russifizierung. Indem das Denkmal Martin Luthers zerstört wurde, was einst am Platz der Kirche stand, und stattdessen die Kirche errichtet wurde, setzte der Zar ein Zeichen der Macht und der Überlegenheit.
Wahrzeichen Tallinns ist jedoch die Domberg-Festung, auf der die estnische Flagge weht.
Etwas Günstiges zu Essen fanden wir am Nachmittag im sogenannten Hipster-Viertel, im Viertel Kalamaja, wo heute die Künstlerszene zu Hause ist. Wir stillten unseren Hunger in einer Streetfood-Allee auf einem ehemaligen Industriegelände.
Gegen Abend fuhren wir noch zum etwas außerhalb gelegenen barocken Sommerschloss des Zars Peter 1. und rundeten dort mit einem Spaziergang durch den Park diesen schönen Tag ab.
Am Mittwoch entschieden wir uns am Vormittag noch das Tallinner Stadtmuseum zu besuchen, denn meiner Meinung nach versteht man eine Stadt erst dann richtig, wenn man auch über deren Geschichte im Groben bescheid weiß. Die Geschichte, die eine Stadt oder ein Land durchlaufen hat, prägt sowohl die Architektur, die Einwohner und sogar die ganze Stimmung in der jeweiligen Stadt. So ist es beispielsweise in Tallinn wichtig zu wissen, dass die Stadt einst unter schwedischer Herrschaft war und schon vor dem 1. Weltkrieg an das russische Zarenreich fiel. Dass Estland einmal Sowjetunion war, wird jedoch in Tallinn nur außerhalb der Stadt sichtbar.
Schließlich setzten wir unseren Roadtrip fort und bewegten uns weiter an der Nordküste des Landes entlang Richtung Osten. Wir erreichten mit dem Lahemaa-Nationalpark letztlich den nördlichsten Teil des Landes und entschieden uns für drei kürzere verschiedene Wanderungen. Die erste führte uns mitten hinein in den Märchenwald. Der frische Wind wehte durch das Laub der Bäume, wir atmeten den Duft des Waldes ein und das Sonnenlicht fiel zart durch das Blätterdach auf das Moos und die grünen Pflanzen, die um die Baumstämme herum wucherten.
Besser als mit dem Wort „idyllisch“ kann man diesen Ort wohl kaum beschreiben. Es hätte nur noch Rotkäppchen gefehlt, das uns auf dem Weg zur Großmutter begegnet wäre. Der 3km lange Weg führte uns letztlich aus dem Wald heraus an die Ostseeküste, an der wir zurück zum Fischerort Altja entlangliefen.
Die nächste Wanderung war nun wieder eine, wo man Bieber entdecken konnten. Wieder versuchten wir unser Glück und schlichen erneut über Holzstege zu Tümpeln. Doch dummerweise verliefen wir uns dieses Mal und sahen leider wieder keinen Bieber. Irgendwie scheinen wir mit diesen Tieren einfach ein Glück zu haben. Die dritte und weiteste Wanderung nahmen wir uns zum Schluss vor, die uns wieder durch traumhaften Wald führte und wo wir uns teilweise durch dichte Büsche schlängeln mussten. Hinweisschilder machten uns auf Elche, Bären und Wildschweine aufmerksam, die hier leben, aber auch diese Tiere bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Bei einem Bär vielleicht auch besser so!
Am Abend hielten wir noch bei einem hohen Wasserfall in Ontika, wo jedoch nur wenig Wasser hinunterfloss. Ein schöner Anblick war dieser auf jeden Fall über der Ostsee.
Den heutigen Tag verbrachten wir ganz im Osten des Landes. Wir schliefen in der Stadt Narva und waren somit nur noch eine Brücke von Russland entfernt. Ein Fluss markiert das Ende der EU. Doch Narva an sich ist nicht besonders schön, sondern eher wegen der Tragik, die die Stadt umgibt, interessant. Vor dem 2. Weltkrieg war die Stadt einmal aufgrund der schönen barocken Gebäude bekannt, was heute jedoch schwer vorzustellen ist. Die Stadt wurde nämlich völlig zerstört und danach von den Sowjets in sozialistisch-trostloser Weise wieder aufgebaut. Narva ist tatsächlich die erste Stadt unserer Estlandreise, wo wir sehr deutlich den sowjetischen Einfluss spürten, nicht nur aufgrund der Gebäude und der Nähe zur russischen Grenze. Tatsächlich sind heute 84% der Einwohner in dieser Stadt Russen, 15% staatenlos (also ehemalige Sowjetbürger, die sich bis jetzt nicht um eine estnische Staatsbürgerschaft bemüht haben). So schnappten wir stets nur russischsprachige Fetzen von Leuten auf, denen wir während unseres Spaziergangs an der Uferpromenade begegneten. Nur langsam wird die Stadt wieder von den Esten zurückgewonnen, was man an den beginnenden Renovierungsarbeiten von EU-Geldern bemerkt. Das Highlight der Stadt ist sicherlich die Hermannsfestung, die am Ufer des Flusses thront, auf der anderen russischen Seite des Flusses, gleich gegenüber eine weitere Burg. Auf beiden Festungen wehen heute die jeweiligen Landesflaggen. Während damals so die Schweden den Russen ihre Macht demonstrieren wollten, dann scheint es so, als wollten heute die Esten ihre Unabhängigkeit so zum Ausdruck bringen.
Wir verließen Narva und spazierten kurz durch die Stadt Sillamäe, wo wir ebenfalls auf den Spuren der Sowjetzeit wandelten. Die Stadt war einst nämlich geschlossen, um Uran für Atombomben abzubauen. Interessant ist sie heute wegen ihrer Architektur. Wir erkannten hier schnell, dass russische Architektur nicht immer hässlich sein muss. Sofort haben wir voreingenommen das Bild der traurigen Betonklötze vor Augen. In dieser Stadt findet man jedoch stalinzeitliche Architektur, die die kleinen Straßen bis hinunter zur Ostsee ziert. Der Putz bröckelt bereits meist von den schmucken Fassaden und die ganze Stadt wirkt heute noch verlassen, aber auch hier beginnen bereits die Renovierungen und gerade wird eine Uferpromenade gebaut.
Anschließend spazierten wir ein wenig in der riesigen Parkanlage in Toila, wo von dem ehemaligen Gutshaus jedoch nur noch die Terrasse über ist. Der Besuch hat sich dennoch aufgrund der Pflanzenvielfalt und der schönen Ausblicke gelohnt.
Unsere letzte Anlaufstelle für den heutigen Tag war der Peipus-See. Einer der größten Seen Europas, dessen Hälfte schon zu Russland gehört. Beinahe ist man der Auffassung, man wäre am Meer, weil man das gegenüberliegende Ufer nicht sehen kann. Da das Wetter jedoch heute nicht auf unserer Seite war, sprangen wir nicht hinein und genossen bloß kurz die Landschaft am Strand.
Schlafen werden wir nun in der Stadt Tartu im Landesinneren Estlands und uns morgen wieder Richtung Polen bewegen.
Die Schönheit und Vielfalt in jeglicher Hinsicht in allen drei Ländern bereichert und überrascht mich jedes Mal aufs Neue während dieser Baltikum-Reise.

Eure Franzi

Tallinn
9d63e0f0-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg9d1aca00-cd14-11ea-a534-e39ee117f7de.jpeg9ca9dfc0-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpeg9cef9b50-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpeg9d1f36d0-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpeg9dd51950-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpeg9d6abec0-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpeg9dd8e9e0-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg9de964a0-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpeg9e992ca0-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg9e1f1aa0-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg9e99a1d0-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpeg9ecc4a90-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpeg9f6c8230-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpeg9f70ef00-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg

Lahemaa-Nationalpark
IMG_20200722_155526.jpgIMG_20200722_141837.jpgIMG_20200722_144728.jpgIMG_20200722_160021.jpgIMG_20200722_150636.jpgIMG_20200722_143747.jpgIMG_20200722_145850.jpga1ceb520-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpega157b060-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpega0ad1880-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpega071e440-cd14-11ea-bb13-75d9bb970662.jpega087b630-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpeg

Ontika-Wasserfall
9ffefe30-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg

Grenzstadt Narva
4b6551c0-cd15-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpeg456dea20-cd15-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpega45f2400-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpeg

Sillamäe
a42fd6a0-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpega3c8d770-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpegIMG_20200723_124610.jpga39ee140-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpega3690430-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpeg

Park Toila
a30ba1f0-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpeg

Peipus-See
a2a1e3a0-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpega26772b0-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpega249d890-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpega1d4cfa0-cd14-11ea-a4db-b57cf83bbb2c.jpega2026f50-cd14-11ea-8a9f-b57a5036ed48.jpega1d7dce0-cd14-11ea-a5a8-a31af7956aad.jpeg

Eingestellt von franzijacob 11:43 Archiviert in Estland Kommentare (0)

Von Riga nach Tallinn

Liebe Leser,

nachdem wir am Freitag die wunderschöne Hauptstadt Lettlands, Riga, ausgiebig besichtigt haben, ging es für uns am Samstag weiter in den Norden des Landes. Ziel war zunächst der Gauja-Nationalpark, der größte von allen in den drei baltischen Ländern.
Das Besondere war jedoch, dass wir diesen nicht zu Fuß erkundeten, sondern mit dem Kajak. Wir ruderten insgesamt 20km auf dem Fluss Gauja durch die unberührte Natur und genossen dabei die warmen Temperaturen. Wir fuhren durch hügelige, grün bewaldete Landschaft, hörten nur das Plätschern des Wassers, wenn unsere Ruder die Wasseroberfläche durchbrachen und beobachteten die blau schimmernden Schmetterlinge. Sogar an einigen Grotten kamen wir vorbei, die in Steilhängen zum Fluss hinunter gut sichtbar waren, weshalb der Nationalpark auch die Lettische Schweiz genannt wird.
Doch leider schwirrten nicht nur Schmetterlinge und Libellen um uns herum, sondern auch zahlreiche Mücken und Bremsen, die unsere Körper mit juckenden Stichen versahen. Da ich eher von kälteren Temperaturen ausgegangen war, hatte ich natürlich nicht an meine Anti-Moskito-Ausrüstung gedacht, die ich stets in den Tropen mit mir führe.
Wir paddelten zu dem kleinen Städtchen Sigulda, dessen Burg wir uns nach unserer Kajak-Tour noch anschauten. Sie liegt direkt gegenüber einer weiteren Burg, die auf der anderen Seite des Flusses auf einem Hügel thront. Die Burg Turaida ist aufgrund ihrer Imposanz und ihrer leuchtend roten Farbe der ganze Stolz der Letten und die Berühmteste im ganzen Land. Außerdem sind mit ihr und mit den zahlreichen Höhlen und Grotten in der Umgebung viele Legenden verbunden.
Wir spazierten ein wenig durch die Ruinen der gegenüberliegenden Burg Sigulda, die aus dem 13. Jh. des alten Schwertbrüder-Ordens stammt.
Am späten Abend passierten wir letztendlich noch die Grenze zu Estland auf einer einsamen Landstraße und platzten noch mitten in eine estnische Hochzeit, die im Gasthof unseres Hotels mitten im Wald stattfand.
Gestern verschafften wir uns zunächst einmal einen ersten Eindruck vom dritten und kleinsten Land des Baltikums – Estland. Schon bei unserer Anreise stellten wir fest, dass dieses Land nur sehr gering besiedelt sein muss, denn man fährt stets durch die Einsamkeit. Und tatsächlich hat Estland eine sehr geringe Bevölkerungsdichte. Man bewegt sich hier auf Landstraßen durch das Land, die sich durch dichte Wälder schlängeln, wo man hin und wieder vor Elchen gewarnt wird. Manchmal geben die Bäume einen kurzen Blick frei auf Felder, wo hier ganz typisch immer Strohballen verteilt herum liegen und die zahlreichen Störche herumstaksen.
Den ersten Halt legten wir am Soomaa-Nationalpark ein, wo man angeblich Bieber und Elche sichten kann. Ein langer Holzsteg führte uns über einen sumpfigen Boden in einen dschungelartigen Wald hinein. Völlige Ruhe und wunderschöne Natur umgab uns und tatsächlich – wir hörten einen Bieber in einem der Teiche an einem Baum nagen. Zu Gesicht bekamen wir jedoch weder einen Bieber, noch einen Elch, obwohl wir uns extra leise auf dem Steg fortbewegten, dafür aber wieder umso mehr Mücken. Dieses Mal war ich schlauer, und hatte mir trotz der Hitze eine lange Hose angezogen. Trotzdem wurden wir sogar durch die T-Shirts erbarmungslos gestochen. Erste Anlaufstelle war anschließend deshalb die Apotheke in der Küstenstadt Pärnu, wo wir uns erst einmal ordentlich eindeckten, auch aufgrund meiner Allergie.
Pärnu ist der beliebteste Ferienort der Esten und Finnen, weshalb an diesem Sonntag der Strand auch voll war. Wir spazierten ein wenig durch die Innenstadt, vorbei an historischen Gebäuden, Kurhotels und Grünanlagen. Ich konnte mich in der Altstadt kaum sattsehen an den entzückenden kleinen Häuschen, die für das Baltikum so typisch, aber in jedem Land doch ein bisschen anders sind. Die Holzhäuschen reihen sich aneinander und ein Denkmal erinnert an den Ausruf der estnischen Republik 1918. Wir passierten das Tallinner Tor, was einmal der Eingang zur Stadt war, spazierten am Wallgraben entlang und besichtigten letztendlich noch eine Jugendstilvilla von außen.
Am Abend verließen wir die gemütliche Kurstadt und fuhren mit der Fähre auf zwei der westlichen Inseln Estlands, die mit einer Brücke miteinander verbunden sind. Es handelt sich hierbei um die kleine Insel Muhu und um Saaremaa, wo wir nächtigten.
Den heutigen Tag verbrachten wir damit, die Inseln mit dem Auto zu erkunden und machten eine Inselrundfahrt. Wieder stellte ich fest, wie sehr ich dieses Insel-Feeling mag. Man hat ständig die Meeresluft in der Nase, viele Orte bieten einen Blick auf die offene Ostsee und das Leben ist entschleunigt. Am Morgen schlenderten wir durch die Hauptstadt der Insel, Kuressaare, dessen zentraler Platz von klassizistischen Gebäuden gesäumt ist. Außerdem besichtigten wir die spätgotische Bischofsburg, dessen Festung mit seinen mächtigen Türmen über der Kurstadt thront.
Unser Roadtrip über die Insel führte uns zunächst zu idyllischen Blumenwiesen mit angrenzendem Bauernhof in der Einöde, wo wir eigentlich einen Naturpfad entlang wandern wollten. Da jedoch kein Wanderpfad in Sicht war, spazierten wir nur ein wenig und genossen die Landschaft.
Nach einem kurzen Halt am Strand gelangen wir zur Steilküste von Panga. Das Kliff stürzt hier 20m tief in die Ostsee und bietet einen traumhaften Ausblick. Wir steuerten die für die estnischen westlichen Inseln berühmten Windmühlen in Angola an, die wir auch von Innen besichtigen konnten und die an einem gelb blühenden Rapsfeld gelegen waren. Sie sind das Wahrzeichen der Insel, stammen aus dem 20. Jh. und werden von einem starken Pfosten zu getragen, was man so ähnlich nur in Skandinavien findet.
Mindestens genauso bekannt ist das Meteoritenfeld in Kaali, dem wir anschließend einen Besuch abstatteten. Hier bestaunten wir einen 110m breiten Meteoritenkrater, der vor 4000 Jahren entstanden und nun ein See ist. Nach einer abenteuerlichen Besichtigung der Ruinen der Ordensburg in Maasi, wo man sich in dem unterirdischen Gewölbe allein umsehen kann, fuhren wir letztlich mit der Fähre wieder zurück aufs estnische Festland und haben es sogar noch in die Hauptstadt Tallinn geschafft, die wir morgen besichtigen werden.
Kurz gefasst, mein erster Eindruck von Estland ist so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht nur die Sprache klingt skandinavisch, auch die einsamen Wälder, wo Elche zu Hause sind, die roten Holzhäuser, die fast schon wie Schwedenhäuser aussehen, die Inseln, die Windmühlen und die Akkuratesse in den Städtchen zeugen von einer nordischen Note. Den Einfluss der ehemaligen Sowjetunion spüren wir hier von allen drei Ländern am wenigsten.
Ich bin schon jetzt begeistert und bin gespannt, was dieses interessante Land die nächsten Tage für uns noch bereithält.

Eure Franzi

Lettland - Gauja Nationalpark + Sigulda
4fab6010-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg45790de0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg4514a6c0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg5a187150-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg
5a8e64a0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg427347f0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg

Estland - Soomaa Nationalpark
IMG_20200719_104039.jpgIMG_20200719_103909.jpgIMG_20200719_105347.jpg

Pärnu
IMG_20200719_144044.jpgIMG_20200720_103607.jpgIMG_20200720_105026.jpg5495c480-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg4fadd110-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg4cef2640-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg45a9bad0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg43bcdef0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg

Inselrundfahrt
5c640f00-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpegIMG_20200720_114558.jpgIMG_20200720_125023.jpg587ce9c0-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpegIMG_20200720_120125.jpg59881830-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg52574630-cac9-11ea-9b63-710f62796418.jpeg4cc900a0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg49de3cc0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg4835bce0-cac9-11ea-bacd-397c99c0433a.jpeg

Eingestellt von franzijacob 13:38 Archiviert in Estland Kommentare (0)

Lettland - Das Land der Flüsse, Seen und Moore

Liebe Leser,

Wälder, saftig grün bewachsene Flüsse, glitzernde Seen und Blumenwiesen – dies prägt das Landschaftsbild von Lettland, zu welchem wir nach der Grenzüberfahrt von Litauen in Genuss kamen. Berichtete ich in Litauen noch von weiten Getreidefeldern bis zum Horizont, so ist es hier überraschenderweise doch so anders.
Lettland ist das Land der Gewässer und der Moore und Sümpfe.
Unser erster Anlaufpunkt am Mittwoch war die Stadt Liepaja im Südwesten des Landes. Die Stadt liegt direkt an der offenen Ostseeküste und hat ebenfalls einen schönen Strand zu bieten mit angrenzendem Park und einer Strandpromenade, wo wir ein wenig entlang spazierten. In der Innenstadt sammelt hin und wieder eine historische Straßenbahn Passanten ein und von der Ostsee schlängelt sich ein Fluss durch die Stadt, wo auch ein Kanalhafen zu finden ist.
Anschließend machten wir noch den russischen Stadtteil Karosta ausfindig. Sind die meisten Städte im Baltikum doch sehr gepflegt, so macht man in Karosta eine kleine Zeitreise in Sowjetzeiten. Wir ruckelten holprige Straßen entlang und fuhren an freudlosen Wohnblocks vorbei, die verlassen und heruntergekommen aussehen. Jedoch entdeckt man hin und wieder auf den kleinen Balkons aufgehängte Wäsche. Auch diese Stadtbilder prägen – zumindest meist außerhalb der Städte – hier das Bild und zeugen nun einmal von der Geschichte, die alle drei Länder durchlaufen haben.
Inmitten dieses schmuddeligen Wohnviertels ragt eine imposante Kirche empor. Es handelt sich hier um die orthodoxe Dreifaltigkeitskathedrale, kaum zu verfehlen mit den typischen fünf vergoldeten Zwiebeltürmchen. Doch scheint sie von außen noch so prunkvoll, so ist sie innen, wie alle orthodoxen Kirchen spärlich. Es gibt keine Bankreihen, wie wir sie von evangelischen oder katholischen Kirchen kennen. Der Innenraum ist lediglich mit Ikonenbildern geschmückt und die Gläubigen zünden mit Kopftüchern Kerzen an.
Auch ein ehemaliges sowjetisches Gefängnis ist in Karosta zu finden, was an die dunklen Zeiten erinnert. Wir verzichteten jedoch auf eine Besichtigung, wo man selbst in die Rolle eines Gefangenen schlüpfen kann, und erhaschten nur einen Blick auf die freudlose Fassade.
Unser Roadtrip führte uns nun weiter vorbei an der Steilküste zur Ostsee in Jurkalne und letztendlich in das kleine Städtchen Kuldiga. Kuldiga ist wohl das malerischste Städtchen des ganzen Landes und lässt sich am besten mit den Begriffen „süß“ und „echt“ bezeichnen. Das Alexflüsschen schlängelt sich idyllisch durch verwinkelte, alte Holzhäuschen und verpasst dem Städtchen ein ganz eigenes, typisch lettisches Flair. Aus diesem Grund wird es auch häufig als Venedig Lettlands bezeichnet. Das Besondere an dieser Stadt sind jedoch die Häuschen an sich. Wirklich jedes einzelne Haus scheint hier eine eigene Geschichte zu erzählen, da die bunte Farbe bereits meist vom Holz abblättert. Aus weit geöffneten Fenstern dringt die für uns so fremde lettische Sprache hinaus auf die gepflasterten Fußgängerzonen. Jedoch befindet sich manchmal sogar ein Schmuck- oder Kleidergeschäft darin.
Ein paar Gehminuten am Fluss entlang aus der Stadt hinaus und wir befanden uns auf einer saftig grünen hochgewachsenen Wiese, inmitten das Alexflüsschen mit einem kleinen, aber sehr breiten Wasserfall, wo die Einheimischen sich zum Feierabend ein Bad genehmigten oder darauf herum balancierten.
Nach diesem ersten Eindruck von diesem idyllischen Land, widmeten wir uns am Donnerstag noch etwas mehr der Natur und steuerten gleich zwei Nationalparks an. Vormittags war der Nationalpark Slitere unser Ziel. Ausgangspunkt einer kleinen Wanderung ist hier ein Leuchtturm, der jedoch 5km von der Ostsee steht. Oben hatten wir jedoch einen super Ausblick auf den gesamten dicht bewaldeten Nationalpark bis hin zur Ostsee. Die Wanderung führte uns auf Bohlenwegen inmitten durch den dschungelartigen Wald mit einer einzigartigen und vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Hin und wieder schimmerten Sonnenstrahlen durch das lichte Blätterdach hinab auf die grünen Farne oder auf Moosbewachsene Baumstämme. Biber, Dachse oder Luchse, die dort zu Hause sind, sahen wir jedoch leider nicht, lediglich Kröten.
Auf dem Weg zum zweiten Nationalpark machten wir einen kleinen Zwischenstopp an der Landesspitze Kap Kolka. An diesem Punkt trifft die Ostsee auf das Wasser der Rigaer Bucht und somit finden gefährliche Strömungen statt, die man sogar auf der Wasseroberfläche beobachten kann.
Der Kemeri Nationalpark entpuppte sich als ganz anders als der in Slitere, aber doch als wunderschön. Wieder über Holzstege läuft man hier über Moore und Sümpfe und kann dabei Libellen und besondere Pflanzen entdecken. Hin und wieder ragt ein dünner Baum aus dem sumpfigen Boden hervor und man entdeckt kleine dunkle Seen inmitten der Moore. An einem anderen Punkt des Nationalparks genossen wir sogar die Aussicht auf einen sehr großen See, der an einigen Stellen mit Schilf bewachsen ist und wo besondere Vogelarten ihre Kreise ziehen.
Nach diesem beeindruckenden Naturerlebnis bei besten Wetterbedingungen sollte der heutige Tag der Hauptstadt Lettlands oder gar des Baltikums gelten – Riga. Wir machten uns recht früh auf den Weg und liefen über eine Brücke über den Fluss Daugava, der die Stadt eingrenzt. Und schon standen wir in einer wunderschönen, mittelalterlichen Altstadt. Wir spazierten durch zahlreiche kleine Gässchen, die meistens auf einen der vielen Plätze führen, wo sich Touristen und Einheimische in Cafes niedergelassen haben. Die Stadt lässt sich aus diesem Grund auch gut als verwinkelt beschreiben, ruft jedoch auch ein Gefühl von Gemütlichkeit hervor. Einen besonders guten Ausblick hatten wir vom Turm der St. Petrikirche, wovon die verwinkelten Sträßchen und die schönen alten Gebäude nochmal deutlicher ins Auge sprangen.
Ein kleiner Nebenarm des Flusses inmitten von einer Grünanlage mit Liebe zum Detail grenzt die Altstadt von der Neustadt ab. In dieser findet man zahlreiche Gebäude im Jugendstil, wofür Riga bekannt ist. Ein fantastisch verziertes Haus reiht sich hier an das nächste. An den verspielten Elementen der Häuserfassaden kann man sich kaum satt sehen und ich war ganz begeistert von den zahlreichen Fotoobjekten.
Nachdem wir Riga ausführlich erkundet hatten, fuhren wir zu dem etwas außerhalb gelegenen Schloss in Jelgava. Lettland ist nämlich nicht nur für Gewässer bekannt, sondern auch für Schlösser und Gutshäuser, die man hier zahlreich findet. Leider kann man das Schloss nur von außen besichtigen.
Abends ließen wir uns noch die lettische Küche schmecken, die sich doch sehr von der litauischen unterscheidet. Während Litauen für Kartoffelprodukte, wie gefüllte Klöße oder Kartoffelpuffer bekannt ist, prägt in Lettland das Schweinefleisch in zahlreichen Variationen die Speisekarte. So findet man meist Schaschlik- Spieße, Schnitzel oder zu meiner großen Freude auch Spare Ribs mit Sauerkraut.
Begeistert von der einzigartigen Natur in Lettland, den kleinen lettischen Städtchen mit charmanten traditionellen Häuschen und der wunderschönen Hauptstadt Riga werden wir uns morgen auf den Weg in das letzte der drei baltischen Länder begeben – nach Estland. Wir haben nun den gesamten Westen Lettlands bereist und werden morgen noch einem weiteren Nationalpark einen Besuch abstatten, bevor es dann über die Grenze geht. Wir hoffen auch weiterhin das Glück der warmen Sommertemperaturen und des strahlend blauen Himmels zu haben, was hier keinesfalls selbstverständlich ist.
Zugegeben Estland reizt mich aufgrund der nordischen Note am meisten, doch meine Erwartungen wurden jetzt schon bei Weitem übertroffen.

Eure Franzi

Jurkalne
IMG_20200715_154643.jpg

Kap Kolka
IMG_20200716_120950.jpgcc86b510-c85f-11ea-9228-eddcf87786d3.jpeg

Kuldiga
IMG_20200715_192705.jpgIMG_20200715_190841.jpgIMG_20200715_192112.jpgIMG_20200715_180058.jpgIMG_20200715_190736.jpgIMG_20200715_173008.jpgIMG_20200715_171909.jpgIMG_20200715_165818.jpg

Slitere Nationalpark
IMG_20200716_104937.jpgIMG_20200716_104056.jpgIMG_20200716_103511.jpgIMG_20200716_100803.jpgcc67bb60-c85f-11ea-828d-257a10f526d9.jpeg

Kemeri Nationalpark
IMG_20200716_160406.jpgIMG_20200716_160156.jpgcc4edc30-c85f-11ea-b933-61f2e0551136.jpegcbdb59e0-c85f-11ea-97a1-2fd18617c8f3.jpegcc3adf00-c85f-11ea-a4d2-63f3e2c9b44d.jpeg

Riga
IMG_20200717_140712.jpgIMG_20200717_120149.jpgIMG_20200717_105530.jpgIMG_20200717_144727.jpgcc4650b0-c85f-11ea-97a1-2fd18617c8f3.jpegcc0b91a0-c85f-11ea-97a1-2fd18617c8f3.jpegcd374060-c85f-11ea-a136-d50e7e367b14.jpegIMG_20200717_101158.jpg

Schloss Jelgava
IMG_20200717_162455.jpg

Eingestellt von franzijacob 11:59 Archiviert in Lettland Kommentare (0)

Start des Roadtrips in Litauen

Liebe Leser,

nun sind wir schon drei Tage in Litauen unterwegs, haben schon viel gesehen und einen ersten Eindruck von diesem kleinen Land gewonnen.
Vorweg möchte ich sagen, dass ich positiv überrascht von den schönen Landschaften und den Städten mit den kleinen traditionellen Häusern bin. Alles ist sehr sauber und gepflegt und selbst wenn einzelne Häuser doch etwas alt sind, haben sie einen ganz besonderen balkanischen Charme.
Schon auf der sechsstündigen Autofahrt von Warschau in die Stadt Kaunas begeisterten mich die unendlich weiten Getreidefelder, die sich bis zum Horizont erstrecken. Es gibt kaum Hügel, geschweige denn Berge und so scheint alles noch weiter. Die Landschaft wirkt beinahe unberührt, doch hin und wieder fährt man an einigen kleinen Häuschen vorbei, die hier traditionell aus bunten Holzpaneelen bestehen und meist mit einem blumigen Garten sehr urig wirken. Tatsächlich sehen hier die meisten Häuser so aus. Selbst in Großstädten reihen sich besonders in der Altstadt zweistöckige kleine bunte Häuschen aneinander, wie auch in Kaunas, unser erstes Ziel in Litauen.
Neben der Hauptstadt Vilnius ist Kaunas die bedeutendste Stadt im Land, denn auch sie war einmal die provisorische Hauptstadt, als Vilnius von Polen besetzt wurde. Kaunas lockt zunächst mit einer malerischen Altstadt, der wir zuerst einen Besuch abstatteten. Besonders reizen hier die versteckten kleinen Gässchen und die Fußgängerzone mit schattigen Linden, die durch schöne Häuser mit blumigen kleinen Balkonen führt.
Wir liefen an zahlreichen Restaurants und Cafes vorbei und ließen uns letztendlich in einem am Rathausplatz nieder, um etwas zu essen. Die traditionelle Speise ist hier mit Fleisch gefüllte Klöße, serviert mit Sour Creme.
Doch den schönsten Blick über die gesamte Stadt hat man wohl auf den Aleksontas- Hügeln, wo sogar eine kleine Bergbahn hinauffährt. Nach 90 Sekunden Fahrt hatten wir einen super Blick über Kaunas und die sich hindurchschlängelnden Flüsse Neris und Nemunas. Auch eine kleine Burg, inklusive Burggraben, hat die Stadt zu bieten, die einst mal eine massive Befestigungsanlage war.
Gestern früh setzten wir unseren Roadtrip fort zum sogenannten Berg der Kreuze nahe der Stadt Silauliai. Der Besuch hinterließ definitiv einen tiefen Eindruck, denn man sieht hier ein weltweit einzigartiges Meer von Kreuzen, angeordnet auf einem Hügel. Circa 200.000 Kreuze in allen möglichen Formen und Variationen reihen sich dicht an dicht aneinander. Einige sind geschnitzte Kunstwerke, manche sind aus Metall und manche werden auf dem Boden vor größeren Kreuzen aufeinandergestapelt. Auch Gedenkkreuze mit Blumen und Fotos verziert und litauischen Nachrichten findet man unter ihnen. Hin und wieder hört man metallische Klänge im Wind, wenn Rosenkränze gegen Kreuze schwingen. Der Berg der Kreuze ist nicht nur ein berühmter Wallfahrtsort, sondern auch ein Symbol der Freiheit und für die mit dem katholischen Glauben eng verbundene litauische Identität. Als die ehemaligen Sowjets die Kreuze einst plattgewalzt haben, baute das litauische Volk alles wieder auf leistete somit Widerstand und kämpfte für die Freiheit.
Anschließend fuhren wir weiter in den Westen des Landes in die Hafenstadt Klaipeda. Auch hier schlenderten wir etwas durch die Altstadt, durch die der Fluss Memel fließt und an den Hafen grenzt.
Der Grund, warum wir jedoch diese Stadt ansteuerten, ist die Landzunge „Kurische Nehrung“, die wir heute erkundeten. Die Landzunge ragt von Kaliningrad (kleiner Teil Russlands zwischen Polen und Litauen) bis fast nach Litauen und grenzt die Ostsee vom Kurischen Haff ab, der 4 Mal so groß wie der Bodensee ist. Während der untere Teil der Landzunge zu Russland gehört, ist der obere litauisch bis zum Grenzort Nida. Die gesamte Landzunge ist ein Nationalpark, besteht ausschließlich aus Sand und gilt als eine der einzigartigsten und faszinierendsten Landschaften Europas. Auch ich kann dies nach dem heutigen Tag dort absolut bestätigen. Nachdem wir mit der Fähre übergesetzt hatten, führte uns eine Straße durch lichte Wälder, wo unter anderem Elche und Wildschweine leben. Die Bäume wachsen hier alle auf Sand. Angekommen in gemütlichen Ort Nida, wo zahlreiche Litauer ihren Urlaub verbringen, trieb es uns zunächst an die Ostseeküste. Ein Holzweg führte uns durch den Kiefernwald hinaus, über eine Sanddüne und plötzlich hatten wir schon einen wunderschönen Blick über die Ostsee. Das Wetter war heute definitiv auf unserer Seite. Ein strahlend blauer Himmel, angenehme 20 Grad, die wärmende Sonne und die leichte Meeresbriese zauberten uns ein Grinsen ins Gesicht.
Dies war heute mein erster Besuch an der Ostsee und ich muss zugeben, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Die Ostsee habe ich immer mit einem grauen, regnerischen, kalten und windigen Ort verbunden, das Meerwasser dreckig, kalt und voller Quallen. Aber der heutige Tag überzeugte mich vom Gegenteil. Wir machten einen Strandspaziergang durch weichen, feinen Sand und beobachteten sogar den ein oder anderen, der sich mutig in die frischen Wellen stürzte.
Herrlich – ich hatte das Meer tatsächlich vermisst!
Anschließend hatten wir nach 10 Minuten die Landzunge einmal durchquert und spazierten noch ein wenig über die hohen Dünen (teilweise 60 m hoch). Oben hatten wir sogar einen Blick auf das Kurische Haff auf der einen Seite, auf der anderen Seite auf die Ostsee und die Landzunge entlang bis nach Russland. Wir bummelten noch ein wenig am Kurischen Haff entlang und obwohl es eine Verbindung zur Ostsee gibt, wirkt das Kurische Haff tatsächlich eher wie ein See. Man sieht in der Ferne das Festland Litauens und Enten schwimmen durch Schilf hindurch und strecken ihren Po in die Luft.
Doch das sollte nicht der einzige Ostsee-Besuch in Litauen bleiben. Wieder mit der Fähre auf dem Festland angekommen, fuhren wir etwa 30 Minuten weiter zum Ferienort Palanga, der bekannt ist für den 8km langen, schönen Sandstrand. Unser Hotel liegt direkt hinter einer Düne und wir machten heute Abend lange Strandspaziergänge und beobachteten, wie langsam die Ebbe kam und die Sonne rot hinter der Ostsee verschwand, während Möwen ihre Kreise zogen.
Besonders der heutige Tag war einfach traumhaft und hat mir einmal mehr gezeigt, wie viele schöne Flecken unsere Welt zu bieten hat und, dass man dafür nicht immer ans andere Ende der Welt fliegen muss.
Morgen werden wir weiter nach Lettland reisen und Litauen zunächst einmal hinter uns lassen, jedoch am Rückweg unseres Trips noch die Hauptstadt Vilnius anschauen.

Eure Franzi

Kaunas
IMG_20200712_200315.jpgIMG_20200712_180150.jpgIMG_20200712_172457.jpgIMG_20200712_175304.jpga7388980-c613-11ea-a108-cbbb1379656d.jpg6e1a5840-c613-11ea-a108-cbbb1379656d.jpgIMG_20200712_193528.jpgIMG_20200713_102347.jpg

Berg der Kreuze
IMG_20200713_115533.jpgIMG_20200713_115559.jpgIMG_20200713_115754.jpg

Auf der Kurischen Nehrung
IMG_20200714_151147.jpgIMG_20200714_130713.jpgIMG_20200714_125032.jpgIMG_20200714_112040.jpgIMG_20200714_111512.jpg5.jpeg4.jpeg3.jpeg

Palanga
IMG_20200714_183021.jpg2.jpeg404ab740-c616-11ea-9640-1125ce7a6d0b.jpeg

Eingestellt von franzijacob 13:46 Archiviert in Litauen Kommentare (0)

(Einträge 1 - 5 von 6) Seite [1] 2 »